Gelegentlich schreibe ich....

über Musik, die Konzerte und überhaupt. 

 Über 10 Jahre Konzerte,Ehrenamt und Schabernack – sowas wie ein Resümee und Ausblick 

Zuerst erschienen in der Zeitung zu 30 Jahren Café Taktlos. Auflage: 500 . Erhältlich bei Konzerten oder auf Nachfrage.

(1) Kinder,wie die Zeit vergeht ! Vor etwas über 10 Jahren, zur Schmähschrift anlässlich des 20. Geburtstages, durfte ich als „neuer“ Konzertorga-Mensch und Kai’s Nachfolger die letzte Seite schreiben. Nun sitze ich hier und versuche mich unter erheblichem Zeitdruck an einem Rück- und Ausblick. Hätte mir das mal jemand eher gesagt ;) Angefangen hat alles aus ziemlichem Egoismus – klar wollte und will ich dass in meiner Heimatstadt etwas passiert und gegen die Stille ankämpfen. Aber ich wollte eben auch für kleine und mittelgroße Lieblingsbands nicht immer bis nach Chemnitz,Dresden, Leipzig,Jena fahren. Oft gelang mir das sogar, denken wir an ZSK im Jahr 2021 sowie Matze Rossi als absolute Highlights und Teenieträume. Noch heute hab ich da was im Auge,wenn ich dran denke. Es war ein steiniger Weg aber an solchen Abenden und beim Feedback im Anschluss, weiß man dass er sich gelohnt hat. Ein weiteres Highlight gab es mit „fluppe“ mega nett, mega toll – für immer haben sie und die Ereignisse drumherum einen Platz in meinem Herzen. Checkt sie aus, Album Nr.2 kommt bald und ich bin sehr bemüht sie 2023 nochmal zu organisieren. DIE Newcomer 2022 und 2023. Ehrenwort. 
Gestartet wie es immer war, in einer ziemlichen Grauzone, wurden die Anforderungen mit den neuen Sozialarbeitern Ende 2018 etwas höher. Und so entwickelte sich meine Leidenschaft, Konzerte zu veranstalten zum Kleingewerbe, welches ich auf den Namen „Provinz.Liebe“ taufte.Dahinter steckt kein langes Brainstorming (hinter dem Logo schon) , es war einfach ein Gedankenfurz, der mich fortan nicht mehr los gelassen hat. So manche Person unterstellt mir dabei Geldsucht. Aber nö, die bittere Wahrheit ist,besonders nach der Pandemie (oder dem Zustand was viele derzeit als solches erachten) : Würde es mir ums Geld gehen, würde ich die Konzerterei garnicht machen. Glaubt es oder streut weiter Gerüchte – mir ist das herzlich egal. Mit diesem Entwicklungsschritt boten sich aber auch viele Chancen. Generell hatte die Konzertorga einen Namen und kein loses Konstrukt mehr. Damit einhergehend standen plötzlich Türen für Fördergelder und neue Ideen offen. Vielen Dank an die Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, ohne deren Förderung wäre das Projekt der Gartenkonzerte um auch während der Pandemie etwas anbieten zu können, nicht möglich gewesen. Hier konnte ich für die Stadt echt Highlights gewinnen: Matze Rossi, der mich durch die „Teenage Kicks“ Jahre begleitet hat, als er seine Band „Tagtraum“ beendet hat und auch ein Antrieb war um überhaupt erst Konzerte zu veranstalten genauso wie Thorsten Nagelschmidt, Sänger der Band Muff Potter, mit einer Lesung. Irre. Leider war es wie so oft: Der gemeine Glauchauer Spießbürger wusste den Wert dieser Veranstaltungen kaum zu schätzen, trotz freiwilligem Eintritt auf Spendenbasis. Auch konnten wir in den letzten 10 Jahren auf Support einiger großen Bands und Initiativen bauen. In Erinnerung geblieben ist eine Soliaktion der Band ZSK und einem späteren Konzert selbiger. Getreu dem Motto „Never meet your idols“ habe ich oftmals etwas Schiss wenn bundesweit und teilweise international bekannte Bands (wie zuletzt The Other) aufspielen. Aber in beiden Fällen gab es rasch Entwarnung: Absolut bodenständige und korrekte Bands & Bandmitglieder, mit dem Herz in und für die Szene bzw. den kleinen Clubs, auch wenn sie aus solchen längst entwachsen sind. 

(2) Bis vor kurzem lief die Soliaktion/Verlosung von und mit „Rettet die Clubs“ Irgendwann 2021 rief mich Marko ,Gitarrist der Band „100 Kilo Herz“ , an und warnte mich vor, dass an Datum XY was passiert, ob man da spontan ins Café kommt. Ich und das Team sollen sich bloß nix vornehmen. Mehr könne er nicht sagen, es wird eine Überraschung. Uff. Was sollte das wohl sein ? Ganz ohne Planung ging es dann doch nicht und so platzte es wenig später aus ihm raus: Sie erhielten von der Initiative Rettet die Clubs die Anfrage ob sie bei der Aktion dabei sein wollen (mehr dazu: www.rettetdieclubs.com) wir reihen uns damit bei namhaften Clubs ein – auch durchaus bekannte Musiker unterstützen das ganze. Jede große Band wäre schließlich nichts ohne die kleinen Clubs,so wie unseren. Es sind erhaltenswerte Kulturstädten. Jedenfalls kam dann eines Abends im September ein riesiger Nightliner...beladen mit Ausstattung,Mexikaner,Ole Plogstedt, 100 Kilo Herz usw. Es war ein toller Abend. Uns wurde die von roxxxta.com designte Gitarre übergeben, die inzwischen verlost ist. Und sonst ? Erwähnenswert ist sicherlich die Band, welche nach einem versoffenen Konzertabend wütend und Stinkefinger-zeigend ohne Frühstück abgedampft ist, da dieses ohne Fleisch und Wurst, also vegetarisch /vegan vorzufinden war. Auch gab es in all den Jahren diverse Ausscheidungen in Mülleimern und Duschkabinen vorzufinden. Den Negativrekord was die Besucherzahlen betrifft, halten die „Beatpoeten“, wer Support war weiß ich leider nicht mehr. Jedenfalls kamen an diesem 30.4.2016 (???) nicht mehr als 3 zahlende Besucher*Innen zusammen. Das haben die Jungs nicht verdient. Aber seit dem weiß ich, dass man nie,wirklich niemals ein Konzert zum Hexenfeuer organisiert. Nochmal zu 100 Kilo Herz – ihr oben genannter Support kam nicht von ungefähr. 2017, im Gründungsjahr, gab ich ihnen als einer der ersten Veranstalter eine Chance. Eine lange Freundschaft hat sich entwickelt. Damals im Dezember’17 kamen etwa 30 Menschen. Wenig später 100 und beim Support für Radio Havanna 150. Inzwischen füllen sie in Leipzig ihr eigenes Festival mit mindestens 500 Menschen auf der Parkbühne, können mit einer Chartplatzierung aufwarten und geben am 15.10. ein exklusives Akustikkonzert im wunderschönen Glauchauer Stadttheater. Dieses Konzert wird es so wohl nicht mehr geben und fand bisher auch nur 1x im Gewandhaus Leipzig statt. Ein weiterer Abend der in Erinnerung bleibt, war eines meiner ersten Konzerte, etwa 2012 mit dikloud,pisse und kairo. Auch mit dikloud entwickelte sich eine Freundschaft und viele Erlebnisse: vom mutmaßlich illegalen Geheimkonzert im Wald bis hin zum kurz vor der Auflösung stehenden Konzert auf dem Dachboden eines Leipziger Mietshauses. Pisse starteten wenig später so richtig durch und sind inzwischen TikTok-Stars ;) Kairo schaffte es leider nur zu einer Vinyl – aber verdammt, was für eine ! Sie ist unter den Top 3 meiner Alltime Lieblingsplatten. So komplett, so einladend. Das Knistern der Rillen flüstert dir förmlich zu „leg dich hin, sei bei dir. Komm zur Ruhe“ Ich würde sie jederzeit immer wieder an jeden Menschen den ich kenne verschenken. Leider gab und gibt es nur eine Pressung, die restlos (zu Recht) ausverkauft ist. Das alles zeigt einen Ausschnitt dessen, was das Café Taktlos ist und für Glauchau bedeutet. Ein Ort des Kennenlernens, der Begegnung. Ein Ort zum Ankommen – besonders in diesen Zeiten wichtige Anker und Dinge die immer mehr bedroht werden. Erhalten wir uns diesen Ort und füllen ihn mit Leben. Das geht jedoch nur mit Beteiligung. Es gilt, was seit der Steinzeit schon galt: Nicht meckern, machen ! Leider fehlt es jedoch auch an Nachwuchs. Es ist wohl gerade nicht die Zeit für Punk und Antifaarbeit. Aber vielleicht ändert sich ja etwas mit dieser Zeitschrift und den Feierlichkeiten zu 30 Jahren.
Wie weiter ? Zum Schluss muss die bittere Wahrheit aber auch noch raus: Ich mache Schluss. Im Taktlos lernte ich mich selbst wert zu schätzen, wurde begehrt und gehasst, bekam Vertrauen und wurde hart enttäuscht. So gehe ich mit einem weinendem und einem lachendem Auge. Nach über 10 Jahren ehrenamtlichem Engagement, dem Einsatz für andere auf vielen Ebenen bin ich leer. Ich brauche Ruhe und muss mich um mich sowie mein Privatleben kümmern. Zuviel ist liegen geblieben. Das sollen nur ein paar Gründe für den Abschied sein – für weitere fragt mich gern persönlich. Wie es mit dem Taktlos weiter geht ? Noch wissen das weder ich noch die Crew. Ich selbst sehe derzeit leider niemanden, der oder die, die Konzerte weiter führen möchte. Vorerst bis Ende April könnt ihr uns besuchen und mich im Taktlos auf nen Schwatz treffen. Vielleicht – oder wahrscheinlich – ist es auch kein Abschied für immer, aber mindestens mal für eine längere Zeit. Es gibt sie nämlich noch, die Bands und die Events , die mich kitzeln und wo ich ein Feuer verspüren würde. Kraftklub,Turbostaat,Muff Potter oder eben Neuentdeckungen wie fluppe, die direkt vom Ohr in den Kopf ins Bein gehen. Danke an alle hier genannten Bands und Personen. Vorallem: DANKE an alle Helfenden über all die Jahre und auch Kai, der mir das ganze vertrauensvoll übergeben hat. Ich denke trotz aller Konflikte hab ich das nicht ganz beschissen gemacht. 
Gehen oder bleiben ? Bleiben !